Von Hong Kong zurück nach Berlin - Eine Reise durch fünf Länder
- Jeannette Matthies

- 31. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Hongkong - Zwei Kulturen in einem Atemzug
Ein Schmelztiegel aus britischem Erbe und chinesischer Gegenwart – wie zwei Welten, die in derselben Haut atmen, und das mit voller Leidenschaft. Hongkong flirrt zwischen Wolkenkratzern und Suppenküchen, zwischen Malls und Straßenmärkten, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Hongkong ist Faszination in Skyline, Tradition und Ordnung. Fußballfelder zwischen Hochhäusern, bester Kaffee, der der alten Kaffeehauskultur der 1950er- und 60er-Jahre zu verdanken ist.Eine riesige, energiegeladene Stadt, die dennoch mit Momenten der Ruhe überraschen kann – eine Mischung, die schwer zu finden ist. Hongkong is truly special. Ich habe die Stadt nur ungern verlassen, mit einem kleinen Neid auf diejenigen, die dort leben.

Indien - Ein ehrlicher Mann
Indien war eine Herausforderung – eine, die dieses Mal zu groß für mich war. Neu-Delhi empfing mich mit Lärm, Dichte und endlosem Smog. Sofortiger Streik meiner Lunge und meiner Psyche. Autos, Menschen, Motorräder und Tuk-Tuks verschmolzen zu einer einzigen, engen chaotischen Bewegung. Eine Reiseroute über das Goldene Dreieck: Delhi, Agra, Jaipur. Das Taj Mahal: atemberaubend. Jaipur: die pinke Stadt, ein Farbenrausch. Überforderung. Nicht nur durch die Armut, ständiges Feilschen, Aufdringlichkeit. Ich habe mich gefühlt wie ein ausgesetzter Hund. In all dem Lärm und Staub war da nur dieser eine Moment an einer Raststelle – ein alter Mann, der mir ein Getränk verkaufte, und ich dachte: Only one honest man. Bei all dem kann ich nicht leugnen, dass ich ausgerechnet hier meine besten Bilder gemacht habe.

Oman - Die Frau, die ich nicht fotografiert habe
Die Farben des Oman sind weiß und Sand. Häuser, Moscheen, Marmor – alles leuchtete in dieser stillen, sanften Farbe, als hätte jemand Schnee statt Stein verwendet. Maskat war wieder Ruhe. Nach Indien war ich krank und konnte dort endlich durchatmen. Die große Moschee – majestätisch, glänzend, wie aus Licht gebaut. Die Oper – ein Kunstwerk. Ich fuhr in die Wüste, schaute über die Sandhügel in die unendliche Ferne. Der Fahrer hielt an einer Beduinenhütte, einem dieser üblichen Verkaufsorte. Auf den Teppichen saß die Beduinen-Großmutter – ganz in Schwarz gekleidet, mit einer Gesichtsmaske, die mich tief berührte. Sie erinnerte an das schwarze Profil eines Vogels. Ich starrte sie heimlich an, fasziniert. Mein Fahrer wagte nicht zu übersetzen, dass ich sie um ein Foto bitten wollte. Der schöne Oman.

Dubai – Keine Spuren in dieser Stadt
Dubai ist eine künstliche Stadt. Faszinierend, ja – aber was macht man, wenn man als lebendiger Mensch an einem Ort landet, der wie aus Glas gegossen wirkt? Ich reiste als Architekturfotografin, auf der Suche nach besonderen Gebäuden. Und dann: zu viele. Zu viel Form, zu viel Höhe, zu viel Glanz. Die Skyline beeindruckt – besonders vom Dubai Creek Harbour aus. Dort entstanden meine Skyline-Bilder. Aber keine Architekturbilder, denn ich bin der Stadt einfach nicht nahe gekommen.
Dubai ist sicher, sauber, geordnet. Alles ist riesig. Eine Megastadt mit der Burj Khalifa, mitten in einem Wald aus Stahl. In all dem Mega leben 90 % Menschen aus fremden Ländern – Expats. Auch die Zahl: mega. Wenn man bedenkt, dass der Reichtum größtenteils von nur 10 % der Menschen gehalten wird, die tatsächlich aus den Emiraten stammen. Megacity, mega Zukunft – und ich mega schnell wieder weg.

Jordan – Die Stille der Wüste
Ich bin nicht nur eine Welt-Reisende – ich bin auch eine kleine Sammlerin von Weltwundern. Ich kenne die Pyramiden, das Collosseum … Und jetzt: Petra, die Felsenstadt. Wunderschön und auch beeindruckend. Trotzdem auch ein Ärgernis, da mit fast mehr Verkaufsbuden als Felsen und einem unwegsamen Pfad zum Kloster und mit einem absurden Abstieg. Der Eintritt: viel zu teuer. Ich war genervt.
Und dann kam meine kurze Tour durch die Wadi-Rum-Wüste – einst ritt Lawrence von Arabien durch sie hindurch. Ich wollte nur die Wüste für mich. An einer ruhigen Stelle stieg ich aus und dann ging ich los, einfach in die Wüste hinein. Niemand da. Weite. Kein Ton. Kein Vogelschrei. Nur Stille. Richtig laute Stille. Ich drehte mich um – nichts, niemand, nichts weit und breit. Nur Ich. Irgendwann kam der Jeep hinter mir her und sammelte mich wieder ein.
Die jordanische Wüste ist anders. Magisch. Absolute Klarheit in meinen Gedanken. Mein stillstes, tiefstes Erlebnis des Jahres.




